Welche Gestalt hat Glauben – Siblinger Konfirmanden waren unterwegs

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Ein Konfirmandenlager voller Eindrücke.
Rainer Huber,
„Wozu braucht es Kirche? – Weil niemand anders sich so auf die Vielfalt des Alltags mit all seinen Höhen und Tiefen einlässt, beratend zur Seite steht, begleitet, vermittelt, zuhört und für Versöhnung und Gerechtigkeit eintritt“. Frage und Antwort waren Worte eines Berliner Stadtteilpfarrers, mit dem wir während der Konfirmandenreise ins Gespräch gekommen sind. Doch der Reihe nach. Eigentlich stand eine andere Frage hinter der Konfirmandenreise: Welche Gestalt hat Glauben? Die Suche nach Antworten führte uns für die Zeit vom 17. – 21. Oktober 17 nach Berlin. Es ging um einen Überblick.
Einen Überblick über die Stadt erhielten wir gleich nach unserer Ankunft von der Aussichtsterrasse des Fernsehturms. Wir sahen: Ein Häusermeer in alle Richtungen, soweit das Auge blicken kann. Dieses Bild war symbolisch für die Vielfalt des Glaubens. Es gibt sie nicht, diese eine Gestalt des Glaubens! Jede/r findet seine / ihre eigene! Aber Anregungen dazu gibt es massenweise. In der Auseinandersetzung mit dem Fremden kann man zu einer eigenen Persönlichkeit reifen. Mit diesem Anspruch haben wir uns auf die Vielfalt der Stadt und ihrer Menschen eingelassen.
Ein zentraler Punkt waren Begegnungen. So konnten wir eine Berliner Konfirmandengruppe kennenlernen, sprachen mit einem Rabbi in einer Kreuzberger Synagoge, waren ein paar Strassen weiter bei Moslems in ihrer 2007 neu gebauten Moschee zu Gast, besuchten einen Pfarrer, der hauptsächlich mit Drogenabhängigen arbeitete, lernten einen Rentner kennen, der sich jede Nacht um die Obdachlosen im Bereich ZOO kümmerte, wagten einen Blick in einen Neuköllner Kindergarten und eine Primarschule und hatten zwischendurch viele spontane Begegnungen mit unterschiedlichsten Menschen während unserer U-Bahn und S-Bahn Fahrten. Das Spektrum reichte von hohem Respekt bis abgrundtiefen Ekel.
Weitere Einblicke in die Vielfalt des Glaubens bekamen wir durch den Besuch ausgewählter Orte. Dazu gehörte der Besuch der Gedächtniskirche und der angrenzenden Mahnstelle für Opfer der Attentate, die in den letzten 10 Jahren in Europa verübt wurden. Ebenso die Besichtigung des Denkmahls für die ermordeten Juden in Europa, eine Tour entlang der East Side Gallery, eine Demonstration für die Unabhängigkeit Kataloniens, in die wir zufällig hinein gerieten, sowie Besuche von je einem arabischen und einem türkischen Stadtviertel.
Zur Frage „Welche Gestalt hat Glauben?“ gehörte aber nicht nur die z.T. anstrengende Auseinandersetzung mit Orten und Menschen. Ganz wichtig waren zwischendurch entspannende Momente. Diese hatten wir beim Bowlingabend, auf der Kartbahn und im IMAX (auch wenn wir hier einen völlig hirnlosen Film erwischt hatten). Natürlich war auch Platz für die obligatorische Shoppingrunde durchs KaDeWe und ein par andere nette Einkaufspaläste.
All das trat in (oder bildete?) den Hintergrund, als wir uns am letzten Abend in der Kapelle der Lindenkirche Berlin Wilmersdorf trafen, um 2 Konfirmandinnen zu taufen. Es war für alle eine äusserst bewegende Stunde. Auch ich selbst habe selten eine so achtsame und mittragende Gemeinschaft während der Taufe erleben dürfen.
Erfüllt und erschöpft ging die Fahrt am Samstag zurück nach Siblingen. Herzlichen Dank an die Konfirmanden, die super das dichte Programm mitgemacht haben und ein weiterer Dank an die Kirchgemeinde Siblingen, die die Fahrt finanziell unterstützt hat.
Pfarrer Rainer Huber