Grosse Träume und kleine Wünsche

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Ein Neues Jahr hat schon wieder begonnen. Die Zeit, sie eilt im Sauseschritt, so lautet eine häufige Bemerkung. Wie starten Sie in das neue Jahr? Haben Sie lauter gute Vorsätze gefasst?
Kirchenstand und Pfarramt Siblungen
Das Schöne am Neuen ist, dass es so voller Chancen und Möglichkeiten steckt. Noch sind keine Fehler passiert, nichts ist daneben gegangen, die Hoffnung auf Verbesserung steckt darin. Vieles ist noch offen. „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“, schrieb einst Hermann Hesse. Ja, so ist es wohl, denn mit dem Propheten Jesaja verspricht uns Gott „Denn siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr es denn nicht?“

Als Kind habe ich mir bei jedem neuen Schulheft, das ich neu begann, geschworen, dies sollte das schönste und sauberste Heft von allen werden. Kein Durchstreichen, keine geknitterten Seiten, kein Verschreiben oder hässliche Flecken. Darin steckt die Erinnerung an das Alte und Erfahrung mit dem Unvollkommenen, mit dem nicht Perfekten und Nicht-nach-Wunsch-Gewordenen. Aber doch gleichzeitig doch auch die Kraft, die Energie und die Hoffnung auf etwas Neues, Anderes, Schöneres, Besseres.
Ähnlich ist es mit dem Beginn eines neuen Jahres. Oft denke ich beim Feuerwerk an das vergangene Jahr, und an die Pläne und Hoffnungen für das kommende Jahr gehen mir durch den Kopf, auch für viele Menschen, an deren Leben ich teilhaben darf. Allerdings mit Zunahme von Neuanfängen haben wir auch gelernt, dass die Anfänge nicht immer halten, was wir mit ihnen erhoffen. „Gedenkt nicht an das Frühere und achtet nicht auf das Vorige! Denn siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr es denn nicht?“ So erinnert uns Jesaja. Lebenserfahren nicken wir und schrauben unsere Erwartungen vielleicht ein wenig herunter, denn die Realität ist doch häufig anders gewesen, oder doch nicht? Die Vorsätze sind vielleicht nicht mehr ganz so zahlreich, aber trotzdem, immer noch, wenn ich einen neuen Jahreskalender beginne, dann steckt darin viel Neues, viel HOFFNUNG und auch viel Erwartung. Ich kann einfach nicht aus meiner Haut. Vielleicht geht es Ihnen auch so?

Und dann erinnert uns der Prophet Jesaja: „Gedenkt nicht an das Frühere und achtet nicht auf das Vorige! Denn siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr es denn nicht?“ (Jesaja 43, 18-19a). Da ist er, der kleine Schubs, den man braucht, um Gottvertrauen zu bewahren.
Das wünsche ich Ihnen, genauso, wie es in den berührenden Zeilen von Dietrich Bonhoeffer steht, in einem Lied, das oft im letzten Gottesdienst des alten Jahres gesungen wird: „Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist bei uns am Abend und am Morgen, und ganz bestimmt an jedem neuen Tag.“
Ihnen allen ein behütetes und gesegnetes 2020!

Der Kirchenstand und Pfarramt Siblingen