Passionszeit - Fastenzeit

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Welche Emotionen weckt dieses Bild in Ihnen? Einsamkeit, Leere, Verlorenheit? Oder eher Weite, Aufatmen, Stille? Hätten Sie Lust, sich auf diesen Stuhl zu setzen oder möchten Sie das auf keinen Fall?
Karin Baumgartner,
Viele Menschen üben in der Passionszeit den Verzicht auf irgend etwas, das ihnen wichtig ist. Die Fastenzeit bedeutet ursprünglich, auf bestimmte Lebensmittel zu verzichten. Manche Men-schen fasten überhaupt. Das Verständnis von Fasten hat sich erweitert. Es muss sich nicht unbedingt um den Verzicht auf Nahrung handeln, obwohl das durchaus sinnvoll sein kann. Meine Grossmama hat immer auf Kaffee und Schokolade verzichtet. Und das war richtig schwer für sie, weil sie beides liebte!

Wie sie dann die erste Tasse Kaffee und das erste Täfeli Schoggi genoss, werde ich nie vergessen. Ganz aktuell ist das Klimafasten, das dazu einlädt, sich der Natur zuliebe ganz bewusst anders zu verhalten: anders einkaufen, anders unterwegs sein, weniger Energie und Wasser verbrauchen, um so einen Beitrag zur Verkleinerung Ihres ökologischen Fußabdrucks und zur Bewahrung der Schöpfung zu leisten. Manche entschliessen sich zu einem Handyverzicht. Meist wissen wir selbst ganz gut, worauf wir eine Weile verzichten könnten.

In der Pandemielage müssen wir unfreiwillig auf Vieles verzichten, auch auf mehr, als uns gut tut. Wir erkennen aber trotzdem auch, wie kostbar Vieles ist, das wir so selbstverständlich ein-fach hinnahmen und wie wir es neu geniessen werden.
Die Fastenzeit ist zwar eine freiwillige Bewegung, doch der geübte Verzicht macht auf eine bereichernde Art leer und bereit, neue Eindrücke zu empfangen. Unsere Sinne werden geschärft, die Dankbarkeit für das, was wir haben, gewinnt an Tiefe. Wir können Zufriedenheit mit weniger erfahren und dass es wohltuend sein kann, sich selbst zurückzunehmen.
Wenn ich nochmals auf das Bild zu sprechen komme: Verzichten kann uns eine neue Weite schenken und auch neue Kräfte freisetzen. Nur wo Leere ist, kann sich Neues entwickeln und hat es Raum für andere Perspektiven. Dieser Stuhl ist ein guter Platz, genau darüber nachzu-denken.

Verzichten ist eine wunderbare Vorbereitung auf Ostern. Leer werden bedeutet, im Leben Platz zu machen für diese gänzlich neue Erfahrung, dass nicht die Leere des Todes, sondern eine neue Fülle von Lebensperspektiven über uns bestimmt.
Gesegnete Fastenzeit wünschen wir Ihnen!

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