Von Lavendel, Rosen, Rosmarin und Honig...

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Bei einem Besuch in der Provence kommt man an Lavendel, Oliven und Rosen nicht vorbei: Seifen, Kosmetika, Parfums, die Auswahl ist groß und wie wunderbar sind diese Düfte! So haben wir es diesen Sommer erleben und riechen dürfen. Der Besuch bei einem Parfumeur ist Dufterlebnis und Überforderung zugleich, denn wir können nur begrenzt Düfte aufnehmen und darin schwelgen.
Pfarramt Siblingen,
Dass Düfte ein wohliges Gefühl hervorrufen können, wissen wir. Dass sie aber auch dafür verantwortlich sein können, dass mitunter Gedanken aufkommen, die längst vergangen schienen – das hat etwas mit dem menschlichen Gehirn zu tun. Dieses ist nämlich derart leistungsfähig, dass ein Duft Erinnerungen erwecken kann, die längst vergessen schienen. Ein Parfum lässt uns an die Person denken, die es häufig trug.
So weckt in uns der Geruch, der uns draußen im Garten umgibt, das Bewusstsein für die Jahreszeit. Der Duft der leuchtenden Blumen des Sommers unterscheidet sich von dem zarten Aroma der Obstblüten im Frühling. Der Herbst kommt mit anderen Gerüchen daher als der pralle Sommer. Die Früchte, reif oder überreif, geben charakteristische Düfte ab. Gerüche verwehen rasch, aber sie speichern Erinnerungen. An den Düften spüren wir intuitiv, dass die Jahreszeiten weiter-gehen, der Herbst da ist. Im feuchten Gras liegt bereits welkes Laub mit seinem eigenen erdigen Aroma.
Auch in der Bibel hören wir von Gerüchen. So im Hohelied Salomos (4,13-14.16): „Du bist gewachsen wie ein Lustgarten von Granatäpfeln mit edlen Früchten, Zyperblumen mit Narden, Narde und Safran, Kalmus und Zimt, mit allerlei Weihrauchsträuchern, Myrrhe und Aloe, mit allen feinen Gewürzen. (…) Steh auf, Nordwind, und komm, Südwind, und wehe durch meinen Garten, dass der Duft seiner Gewürze ströme!“
Kalmus und Narde sind nicht so bekannt, sie bestechen mit aromatischen Duft und einem hohen Gehalt an ätherischem Öl. So exotisch duftet es im eigenen Garten nicht immer. Aber auch Thymian, Salbei, Rosmarin und Basilikum haben es in sich, wenn man ihre Blätter reibt oder sie zum Kochen verwendet.

So genieße ich es jetzt bei einem Gang durch den Garten bewusst noch einmal die Düfte des Sommers aufzunehmen und zu speichern für die kommenden Herbst- und Wintertage. Jeder Mensch assoziiert wahrscheinlich eigene Geruchserlebnisse mit dem Herbst. Aber wir dürfen noch einmal die stärkeren Gerüche des Herbstes intensiv in uns aufnehmen, denn ein Duft ist auch die Botschaft der Schöpfung, die zuallererst unsere Sinne anspricht und uns daran erinnert, wie vielseitig sie ist, wie reich sie uns beschenkt. Und wenn es zu viel stürmt oder regnet und sich die Düfte draußen verringern, halten wir uns an den Ratschlag im ersten Buch Mose: "Nehmt von des Landes besten Früchten in eure Säcke, ein wenig Balsam und Honig, Harz und Myrrhe, Nüsse und Mandeln“. Das öffnet den Blick für kommende Düfte, die die dunklere Jahreszeit uns bietet, gleichzeitig dankend für Gottes Gaben, die Erinnerung wach haltend, dass Gott sein Versprechen, für uns zu sorgen, immer wieder neu einlöst.

Es grüsst Sie der Kirchenstand und Pfarramt Siblingen