Was geht uns heute noch dieses alte Buch an?

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Dieses Grusswort ist eine Art Werbeblock für die Bibel, in ihr finden sich zum Beispiel auch Politthriller der Antike. Ich könnte auch schreiben: ein Lesetipp anstelle des nächsten Krimis. Zugegeben, das Lesen der Bibel ist nicht ganz einfach, aber wenn man ein wenig Hintergrundinformationen hat, wird es ein lebendiges Buch, das uns aus entfernten
Zeiten Menschen zeigt, die in ihren Wünschen und Zielen genauso (un-)modern sind wie wir.
Pfarramt Siblingen,
Zum historischen Hintergrund der folgenden Geschichte:
Die 12 Söhne Jakobs bildeten die12 Stämme, das heißt, die Gebiete dieser Stämme waren nach diesen Söhnen benannt.
Man muss wissen, dass David zunächst König im kleinen Südreich Israels (Juda) wurde, dass zum Nordreich Israels zehn andere Stämme gehörten, deren König Saul war. Zu Beginn des zweiten Buches Samuel hören wir einen Bericht vom Tod des Königs Saul und seines Sohnes Jonathan, Davids bestem Freund, im Kampf des Nordreiches gegen die Philister.
Im gleichen Bericht (wie zu Ende des ersten Buchs Samuel,) nur aus anderer Perspektive,
lesen wir von David, dem später berühmten König, gepriesen im Alten Testament,
Verfasser vieler Psalmen und ein erfolgreicher Kriegsführer und Herrscher.
David war ein Mensch mit ganz bestimmten Zielen, die er verfolgte. Er war gottesfürchtig,
aber das hielt ihn nicht davon ab, andere Menschen zu benutzen, um seine Absichten zu durchzusetzen. Er war machthungrig und ging, wenn notwendig, über Leichen.
Hier lesen wir: Ein Mann schleppt sich in zerrissener Kleidung in das Lager von König David
und seinen Leuten und antwortet auf die Frage, woher er komme: „Aus dem Lager Israels.“ Das Heer des Norddeichs wurde geschlagen. Er berichtet, „Saul und Jonathan sind tot. Ich kam aus dem Gebirge und sah Saul, wohl verletzt, wie er sich auf seinen Speer stützte, während Reiter auf ihn zujagten.“

Der Fremde in Davids Lager bezeichnete sich als Amalekiter und er erzählt, er wurde von Saul
selber aufgefordert, ihn zu töten. Dies tat der Amalekiter, denn er sah, Saul würde die Niederlage nicht überleben können. Er nahm dann die Spange und den Stirnreif von Saul. „Ich bin der Sohn eines Einwanderers aus Amalek“, schließt er den Bericht.
David fragt nach: „Wie kommt es dass du dich nicht gefürchtet hast, den Gesalbten Gottes - König Saul -umzubringen?“ Gleich darauf ruft David seine Krieger, die auf seinen Befehl den Boten ermorden, weil er weiß, dass dessen Aussage, Saul getötet zu haben, eine Lüge war. Wenn es wahr wäre, dann ist es Königsmord, und auch Leichenraub ist verboten. Der Bote hatte den Toten bestohlen und brachte David die symbolischen Gegenstände - Sauls Krone (Diadem) und seine Spange, denn er suchte Davids Wohlwollen zu erlangen.
David hingegen will das Ansehen und die Ehre Sauls hochhalten. Er weiß ja sehr genau, wenn er Sauls Ruf untergräbt, wird er sein Ziel, König zu sein, nie erreichen. Er braucht alle Unterstützung im Streben nach dem Thron. So stimmt er eine berühmte und eindrückliche Totenklage an (Sam 1, 17-27), er klagt über die Toten Saul und seinen Sohn Jonathan: „.Die Edelsten in Israel sind auf deinen Höhen gefallen. Wie sind die Helden gefallen im Streit?.Saul fiel im Kampf, Jonathan ist auf deinen Höhen erschlagen!…. Es tut mir leid um dich, mein Bruder Jonathan, du war mir so nah! Deine Liebe war mir köstlicher als Frauenliebe (…)“
So kommen auch die Freunde der Regenbogenpresse zu ihrer Unterhaltung: Jonathan, der
Sohn Sauls, war David lieber als die Liebe der Frauen. Jonathan als der engste Freund Davids - eine schöne Gelegenheit zum Tratsch tut sich da auf!

Davids Sinnen und Trachten geht aber weiter. Er zieht nach Hebron und wird von den ältesten
Männern zum König gesalbt. Er wird freundlich aufgenommen, weil er - wie wir es von ihm schon kennen - vorgesorgt hatte, er teilte zuvor den Schatz der Amalekiter als Bestechungsgeld mit ihnen. Und tatsächlich fand man bei Grabungen unter einer Synagoge aus dem 2. Jh. v. Chr. in Hebron sehr viel ältere fünf Krüge mit jeweils fünf Kilo Silber.
Wir sprechen heute von Fake-News, wir hören von Menschen, die die Wahrheit zu ihren Gunsten verfälschen, wir hören von einem politischen Führer, der mit allen Mitteln an der Macht festhält und sich nicht scheut, korrupt zu sein. Wir finden uns in einer modernen Erzählung wieder, in der Manipulation noch das kleinste Vergehen ist. Die Erzählung setzt sich fort, dies ist nur ein kleiner Ausschnitt.
Die Wertschätzung der Bibel schwindet heute bei vielen Menschen, denn die Texte sind beim
ersten Lesen sperrig und erscheinen schwierig. Aber die Mühe lohnt, denn man findet sich in einer Welt wieder, in der - abgesehen von den veränderten Lebensumständen heute - Menschen mit ihren allzu menschlichen Problemen lebten, die der heutigen sehr ähnelt, zu lesen wie ein Politthriller. Es gibt dort Menschen, die Gutes wollen und Gott vertrauen, aber auch Menschen, die ambivalent erscheinen. Menschen, die klagen und Fragen an Gott haben. Und wir erkennen: Wir Menschen heute sind den antiken Menschen auf seltsame Weise ähnlich geblieben, trotz unserer ganzen Fortschrittlichkeit. Gerade darum brauchen wir immer wieder Menschen, die vom neuen Bund Gottes mit den Menschen wissen, sich von Jesus inspirieren lassen und ihm folgen, denn sein Leben und seine Botschaft sind notwendig, ein überzeugender Motor für unsere Gemeinschaft und Zusammenleben und eine Brücke zu Gott.