Brot für alle begann in Afrika

Brot für alle wurde in Afrika erfunden. Das Gesicht der jährlichen Kampagne prägten von Anfang an die Schweizer Kirchgemeinden. Ein Blick in die 40jährige Geschichte. Weitere Ausführungen sind ersichtlich in der Jubiläumszeitung 1961-2001. (Erhältlich bei der OeME-Stelle, Postfach 1080, 8201 Schaffhausen, Tel. 052 620 01 80, oeme@ref-sh.ch).
Bild wird geladen...Rosenverkauf für Brot für alle / Fastenopfer, Neuhausen (Foto: Doris Brodbeck)
Bild wird geladen...K-BFA-Stimmen (Foto: Doris Brodbeck)

Brot für alle wurde auf dem Kongofluss erfunden

Am meisten gegen Entwicklungshilfe eingestellt war anfänglich einer der Erfinder von Brot für alle, Pfarrer Heinrich Hellstern, Leiter des HEKS. „Weil wir die entsetzliche Not nicht mit einer freiwilligen Sammlung und einem privaten Hilfswerk ändern können. Die Völker müssen die Güter der Erde gerechter teilen“, war seine Meinung. An den Ufern des Kongoflusses im Herzen Afrikas, so wird erzählt, hatten dann er und Hermann Witschi von der Basler Mission die Idee, einen grossen Wurf zu wagen, eine nationale Kampagne mit dem Aufruf: „Brot für Brüder“.

Aufruf an die Schweiz

Wenig später lag das Aktionsprojekt auf dem Tisch. Es wurde im Juni 1961 von der Abgeordnetenversammlung des Kirchenbundes einstimmig gut geheissen. Bundespräsident Friedrich Traugott Wahlen und Bundesrat Hans Peter Tschudi setzten ihre Unterschrift unter den Aufruf. Im September erfolgten die ersten kantonalen Eröffnungsanlässe. Die Sammlung war lanciert. Eine rege Tätigkeit begann sich in den Gemeinden zu entfalten.

Breite Beteiligung

Allerorten wurden für „Brot für Brüder“ Gottesdienste gefeiert und Kollekten erhoben. Gesammelt wurde von Haus zu Haus, in den Familien, bei Sportanlässen, an Markständen, mit Kuchenverkauf, bei Wettläufen, durch Konzerte, Versteigerungen, Lohnverzichttage, öffentliche Mittagessen und Suppentreffen.
Die Sammlung dauerte drei Jahre und erbrachte 16 Millionen Franken. Im April 1963 fand in Vevey die Abschlussfeier statt mit Bundesrat Paul Chaudet. „Was bis heute getan worden ist, bedeutet nur einen Anfang“, rief er der Versammlung zu. „Lasst uns bereit sein, unsere Schritte weiter vorwärts zu lenken, getragen von der Überzeugung, dass wir auf gutem Wege sind, und dass wir als Werkleute eines grossen und schönen Werkes handeln, welches zum Dienst am Bruder führt.“

10 Jahre Freiwilligeneinsatz

So wurden nochmals zwei mehrjährige Sammlungen durchgeführt. Brot für Brüder sei etwas vom Schönsten, was die Kirche heute unternehmen kann, wurde dem Kirchenbund geschrieben. Doch könne den lokalen und kantonalen Kirchen nicht alles überlassen werden. Nötig seien ein einheitlicher Zeitrahmen, Eröffnung durch Radio- und Fernsehgottesdienste, auf die Gemeinden zugeschnittene Materialien und Anreize für die Berichterstattung in den Medien. Nach zehn Jahren Freiwilligenarbeit beschloss der Kirchenbund, Brot für Brüder zu etablieren. Im Basler Missionshaus wurde die Geschäftsstelle eingerichtet, ein Geschäftsführer und ein Präsident teilzeitlich angestellt.

Im Bahnhofbuffet Olten entsteht die Bfa-Agenda

Wiederum erfolgten schnell die nächsten Schritte. Mit dem Fastenopfer, der Swissaid und der Helvetas wurde eine Arbeitsgemeinschaft gebildet. Diese richtete den Informationsdienst Dritte Welt ein und weitere Dienstleistungen. Fastenopfer und Brot für Brüder begannen, ihre Sammlungen gleichzeitig in der Fastenzeit bis Ostern durchzuführen. Und im Bahnhofbuffet Olten erfanden sie die Agenda. Aus „40 Tage Gottes Wort“ wurde ein 6-Wochen-Kalender für alle Haushaltungen mit Sprüchen, Bibelzitaten, Geschichten, Projektdarstellungen, Meditationen, Bildern.

Neuer Name - Brot für alle

So brachten die beiden Werke Jahr um Jahr mit einem auffälligen Slogan, mit politischen Initiativen, fairem Handel, Projekten und Gästen aus Afrika, Asien, Lateinamerika die Welt des Südens in unser Blickfeld.
International Schrittmacher waren sie 1991 mit der Petition „Entwicklung braucht Entschuldung“ und dem Vorstoss bei Parlament und Bundesrat, zur Feier des 700jährigen Bestehens der Eidgenossenschaft 700 Millionen Franken freizugeben für Entschuldungsmassnahmen gegenüber Ländern der Dritten Welt.
Und damals gab sich das Werk den neuen Namen: Brot für alle. - Nicht "Mais mit allen", wie ein witziger Kommentator im Kirchenboten meinte, obwohl Mais oder Reis das verbreitetere Grundnahrungsmittel ist.

Als neue Sammelidee kam 2005 die Rosenaktion hinzu. Migros Schweiz spendete zugunsten von Brot für alle 100'000 Max-Havelaar-Rosen, die in den Gemeinden verkauft wurden. Zusammen mit dem Schweizer Bäckerverband wurde 2009 das "Brot zum Teilen" lanciert, das Bäckereien seither während der Fastenzeit verbunden mit einer Spende von 50 Rp. anbieten. Und ab 2014 läuft ein Test mit "Tee zum Teilen". Schweizer Alpenkräutertee-Beutel werden gegen eine Spende von 5 Fr. abgegeben.

Tildy Hanhart / Doris Brodbeck

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