Wo es dreissig Wörter für "betrunken" gibt

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Dass dies in alter Zeit so war in unserem schönen Schaffhauserland, lässt sich im Mundartwörterbuch finden. Und erfahren liess es sich von Martin Harzenmoser, der an seinem Namenstag, dem 11.11., allerlei Süffiges zu berichten hatte in seinem Vortrag zu Schaffhauser Weingeschichten. Unglaublich, wie schnell eine Stunde vorbei ist, wenn sie gestaltet wird von einem begnadeten und kenntnisreichen Erzähler! Man könnte nicht sagen, dass es mucksmäuschenstill war, denn es wurde viel gelacht.
Karin Baumgartner-Vetterli,
Gemütlich war der Auftakt zu den Senioren-Nachmittagen im Winterhalbjahr, den viele Interessierte im Grütli erlebten. Bereits in den einleitenden Worten, die sich auf den Martinstag bezogen, war nicht nur Ernstes zu vernehmen, so zum Beispiel der Ratschlag von anno dazumal, dass wer am Martinstag soviel trinke, dass er besoffen sei, der habe das ganze Jahr keine Magenprobleme und kein Kopfweh. Soviel sei vorweggenommen: an diesem Nachmittag hat das niemand ausprobiert!
Dabei wäre man in guter Gesellschaft von Mönchen gewesen. Sie spielen eine wesentliche Rolle in der Entwicklung des Schaffhauser Rebbaus. Was sie kultivierten, tranken sie natürlich auch. Anfangs war es ein Viertele pro Mönch und Tag. Dann aber ersann irgend ein findiger Kopf die Regel, dass ein guter Mönch auf jeden Heiligen mit einem Glas pro Tag anstossen sollte. Na dann, Prost!
Damals gab es gut 300 Hektaren Reben allein auf dem Stadtgebiet. Fast jeder Fünfte hatte damals etwas zu tun mit dem Rebbau. Es gab 74 Trotten in der Stadt, Siblingen hatte damals vier. An allen möglich und unmöglichen Lagen wurde Wein angebaut, sogar im schattigen Hemmental. In Waldshut wurde dieser als Kriminalwein gebraucht: "gestehen oder saufen! " Gemeint ist der Hemmentaler Wein. Scheints haben die meisten gestanden. Auch in Beggingen gab es eine Reblage. Schaffhausen aber war die Weinhauptstadt. Ein Fünftel der Staatsfinanzen wurde mit Wein erwirtschaftet. Exportiert wurde nicht nur in den benachbarten Schwarzwald.

Das grösste Fass war im Haberhauskeller. Gegen 180 000 Liter Wein konnten dort gelagert werden. Daraus wurden städtische Beamte bezahlt. Ein Pfarrer zum Beispiel hatte Anrecht auf fünf Saum Wein, das waren etwa 800 Liter Wein pro Jahr. Ein Lehrer bekam drei Saum. Wenig war das nicht, auch wenn der Wein früher schwächer war. Früher tranken alle Wein, Männer, Frauen, Kinder. Dem Wasser konnte man nicht so recht trauen. Noch 1914 musste der Stadtschulrat die Lehrer mahnen, den Kindern keinen Wein zu geben auf einer Schulreise.

1839 war eine Zäsur, als ein Zollvertrag geschlossen wurde. Es brach ein Absatzzweig weg. Das sechsfache an Wert ging verloren. Und zunehmend kam dann auch die ausländische Konkurrenz. Der Schaffhauser Wein bekam einen schweren Stand und das Rebbaugebiet schmolz. Doch es werden heute gut 75 Sorten im Schaffhausischen angebaut.
Bevor man zum Zvieri überging, gab es noch eine kleine Degustation. Jeder durfte einen Schluck "Elbling" versuchen - Wein von der alten weissen Sorte, die früher häufig angebaut wurde und deren Anbau heute wieder gefördert wird. Beim Zvieri blieb man dann beim Siblinger und höckelte gemütlich diskutierend noch lange.